12.04.2017 - Branchenmitteilung des SSFV zur Beschäftigung von ausländischem Personal auf Schweizer TV- und Kino-Produktionen

Wir machen uns Sorgen. Und unsere Mitglieder auch.

Sehr geehrte Damen und Herren

Der Schweizer Berufsverband der professionellen Filmschaffenden ssfv vertritt die Interessen von rund 400 FilmtechnikerInnen der Schweiz. Unsere Mitglieder sind kompetent, erfahren und engagiert. Und es geht uns darum, ihre Zukunft in der Schweizer Filmbranche zu sichern.

«Der Schweizer Produktionsstandort ist enorm unter Druck, das betrifft die ganze Kreativwirtschaft. … Der Schweizer Auftragsfilm ist kreativer und qualitativ hochstehender denn je. Aber die aus unserer Sicht für den Werkplatz Schweiz gefährlich kurzfristig gedachte Auftragsvergabe an ausländische Produktionen bereitet uns ernsthafte Sorgen.» Diesen klaren Worten von Rita Kovacs, Geschäftsführerin der Swissfilm Association, in einem Interview mit persoenlich.com schliessen wir uns an.

Seit einigen Jahren stellen wir fest, dass sogar bei einheimischen Kino- und Fernsehproduktionen immer öfters nicht die Schweizer FilmtechnikerInnen beschäftigt werden, sondern Personal aus dem umliegenden Ausland angestellt wird. Diese Praxis ist besonders dann fragwürdig, wenn es sich um Produktionen handelt, die zu 100 Prozent durch die einheimischen Filmförderungen und Gebührengelder finanziert werden.

Wir haben Verständnis für die Besetzung durch ausländische TechnikerInnen, wenn der Markt in der Schweiz ausgetrocknet ist und niemand auf einem bestimmten Projekt arbeiten könnte. Leider ist aber oft genau das Gegenteil der Fall: Der Druck des Produktionsstandortes Schweiz schlägt auf unsere Mitglieder durch und sie werden gar nicht berücksichtigt. Folglich müssen sie teilweise gravierende Lohnausfälle hinnehmen und auf Anfragen und Aufträge warten. Im schlimmsten Fall sind sie gezwungen, sich bei den regionalen Arbeitslosenämtern anzumelden. Im Mindesten sollten unsere Mitglieder angefragt werden. Wir helfen gerne mit, um die optimale Besetzung von neuen Film- und Fernsehprojekten zu finden.

Wir sehen die berufliche Zukunft unserer Technikerinnen und Techniker in der Schweizer Film- und Fernsehbranche durch die erwähnte Praxis gefährdet! Deshalb rufen wir alle Beteiligten auf, mit uns in den Dialog zu treten und gemeinsam für die Branche zu kämpfen.

Wir brauchen Sie – und wir denken: Sie brauchen uns.

Gerne möchten wir vom ssfv mit den ProduzentInnen sowie den Förderinstitutionen die Ursachen eruieren und Wege für die Zukunft der Schweizer FilmtechnikerInnen in einer konstruktiven Diskussion klären. Aus einzelnen Gesprächen mit Verantwortlichen haben wir bisher widersprüchliche Signale erhalten. Das unangenehme Thema wird gerne wie eine heisse Kartoffel weitergereicht. Aber wir alle müssen uns den Fragen stellen.

Der ssfv und seine Mitglieder möchten den Filmproduktionsstandort Schweiz mit qualitativ hochstehenden Kino- und Fernsehproduktionen festigen. Dafür ist neben den Schweizer DrehbuchautorInnen, RegisseurInnen und Produktionsfirmen – die alle direkte Kultur- und Fördergelder erhalten – auch eine erfahrene, gut ausgebildete und motivierte Szene von Schweizer FilmtechnikerInnen nötig. Und diese braucht Aufträge, um zu existieren. Sie braucht Arbeit, um junge Technikerinnen und Techniker “auf dem Set” ausbilden zu können und den Nachwuchs zu sichern. Ein Voraussetzung dafür ist, dass wir bei der Besetzung von Film- und Fernsehcrews berücksichtigt werden.

Da der Schweizer Filmmarkt klein ist, finden wir es wichtig, dass wir miteinander einen offenen und konstruktiven Dialog führen können.

Wir freuen uns, wenn Sie auf dieses Schreiben mit einem Feedback reagieren. In einem zweiten Schritt schlagen wir vor, uns gemeinsam an den Tisch zu setzen, um die zu Tage getretene Benachteiligung der Schweizer FilmtechnikerInnen miteinander zu besprechen.

Gerne schicken wir Ihnen zu gegebener Zeit eine entsprechende Einladung.

Mit kollegialen Grüssen
Präsident und Vorstand ssfv