1. Säule - AHV / IV / EO / ALV

Für unselbständig erwerbende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die AHV-, IV- und EO-Beiträge bei der zuständigen Kasse durch den Arbeitgeber abzurechnen. Zurzeit beläuft sich die Abgabe auf 12.45 % (Stand 2017) des Bruttolohnes und ist paritätisch (50% Arbeitgeber / 50% Arbeitnehmer) zu entrichten. Der Arbeitnehmerbeitrag wird durch den Arbeitgeber vom Lohn abgezogen.

Wann ist ein Arbeitnehmer unselbständig erwerbend?

Gemäss Art. 5 Abs. 2 des AHV-Gesetzes und der entsprechenden Praxis gilt (allgemein) als unselbständig erwerbend, wer auf eine befristete oder unbefristete Zeit für einen Arbeitgeber tätig wird und von diesem in wirtschaftlicher bzw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist.
Das Fehlen des Unternehmerrisikos ist dabei in der Regel von wesentlicher Bedeutung. Die unselbständige Erwerbstätigkeit ist nicht an einen Arbeitsvertrag gebunden. Vielmehr können Entgelte, die aus einem Auftrag, einem Werkvertrag oder aus anderen Verträgen fliessen, zum massgebenden Lohn gehören.

Es ist unerheblich, dass der freie Mitarbeiter nicht in einem festen Anstellungsverhältnis steht. Unselbständigerwerbender ist auch, wer nur gelegentlich für einen anderen tätig ist, also einen eigenen Betrieb hat und hin und wieder für einen anderen Betrieb Arbeiten ausführt .

Hält eine Firma diese gesetzlichen Vorschriften nicht ein, riskiert sie, dass die AHV bei einer Revision der Buchhaltung die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge nachträglich einfordert, auch wenn die Beiträge dem Arbeitnehmer nachweislich nicht abgezogen wurden oder ihm sogar der Arbeitgeberanteil ausbezahlt wurde.

Die Lohnabzüge prüfen!

Abrechnung der Beiträge an die AHV/IV/EO
Wie können Versicherte erfahren, ob ihr Arbeitgeber für sie abgerechnet hat?

Wenn Versicherte überprüfen möchten, ob ihre Beitragsdauer lückenlos ist oder ob ihr Arbeitgeber die abgezogenen Beiträge auch wirklich mit der Ausgleichskasse abgerechnet hat, können sie bei den Ausgleichskassen, die für sie ein Konto führen, einen Kontoauszug verlangen – also bei allen Ausgleichskassen, die je für sie zuständig waren. Sie können auch bei einer einzigen Ausgleichskasse Auszüge aus sämtlichen für sie geführten Individuellen Konten verlangen. Kontenauszüge können schriftlich per Post oder auch per Internet bestellen.

Falls im Kontoauszug Angaben über bisherige Arbeitsverhältnisse fehlen, dann stellen Sie der AHV-Ausgleichskasse Kopien der entsprechenden Lohnabrechnungen zu und beantragen Sie eine Überprüfung. Beachten Sie, dass auf der Kontenübersicht keine Zahlungen des laufenden Jahres stehen, da die Arbeitgebenden erst im Folgejahr die gesamten Lohndeklarationen der zuständigen AHV-Ausgleichskasse melden müssen.

Adresse aller Ausgleichskassen der Schweiz

Fehlen Beiträge sollten unbedingt nachgefordert werden, denn die Höhe der AHV-/IV-Renten richtet sich nach den Beiträgen. Sind diese nicht voll verbucht, kann daraus eine zu tiefe Rente resultieren.

Weiterführende Informationen und häufig gestellte Fragen zur AHV

Änderung der AHV-Verordnung für Kulturschaffende (per 01.01.2010)

Bessere soziale Sicherheit

Was unter dem Titel “Bessere soziale Sicherheit für Kulturschaffende” vom Mediendienst des Bundesrates am 30. September 2009 verkündet und in den Medien verbreitet wurde, ist in der Tat eine Änderung der AHV-Verordnung, welche eine einst beschlossene Verschlechterung abzufedern hilft.

Gemäss dieser Änderung, die im Rahmen der Bekämpfung der Schwarzarbeit anfangs 2008 eingeführt wurde, haben Arbeitnehmer mit weniger als 2‘200 Franken Einkommen bei der gleichen Arbeitgeberin nur noch Anspruch auf AHV/IV/ALV-Beiträge, wenn sie dies explizit von ihr verlangen.
Diese, als Vereinfachung für die Arbeitgeberinnen gedachte Regelung hatte zur Folge, dass vor allem im Audiovisions-, Theater- und Musikbereich, wo viele temporäre Kurzarbeitsverhältnisse mit kleineren Entlöhnungen eingegangen werden, zahlreiche Löhne bei der AHV und ALV nicht mehr abgerechnet wurden, weil die Arbeitnehmer dies nicht explizit verlangten. Die Folge: schlechtere Rente im Alter und bei Invalidität und keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.

Die nun vom Bundesrat beschlossene Änderung geht auf eine von der Suisseculture angeregte Intervention der Nationalrätin Christine Goll und darauffolgenden Verhandlungen zwischen dem Bundesamt für Sozialversicherung, Suisseculture und dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund zurück. Neu müssen in den Arbeitgeberkreisen Tanz- und Theaterproduzenten, Orchester, Phono- und Audiovisionsproduzenten, Radio und Fernsehen sowie Schulen im künstlerischen Bereich die AHV/IV/ALV-Beiträge für alle Einkommen, auch die kleinsten, abgerechnet werden.
Für künstlerische Tätigkeit in andern Arbeitgeberkreisen, wie z.B. für eine Schauspielleistung zur Mitarbeiterschulung eines Spitals, deren Lohn unter 2‘300 Franken beträgt, muss der Arbeitnehmer nach wie vor explizit verlangen, dass die AHV/IV/ALV-Beiträge für ihn von der Arbeitgeberin abgerechnet wird, ansonsten er diesbezüglich zumeist leer ausgeht.